Παρασκευή, 18 Μαρτίου 2011

Hegel und die Philosophie

               HEGELS  KONZEPTION  DER  PHILOSOPHIE


            Es ist zur „Platitüde“ geworden die ununterbrochen vielfältige Interpretation der Hegelschen Philosophie und das entsprechende Gespräch, das in doppelter Richtung im allgemeinen abzuklären ist: einerseits ist die ganze philosophische Praxis von Hegel beschuldigt worden, dass sie die Philosophie theologisierte, theoretische Grundlage einer von den gefährlichsten Arten vom denkerischen Absolutismus anbot und nicht zögerte, die Individualität des Denkens der unerbittlichen Omnipotenz des Totalen zu unterwerfen. Andererseits wird sie als die entwickelte Form des dialektischen Idealismus betrachtet, die Maxima zur Herausbildung des Marxschen Denkens beitrug, aber als Idealismus überholt ist; in diesem Sinn sei jede Auseinandersetzung mit ihm eine vergebliche Beschäftigung mit unverständlichen Gedankenschemata. So und andere ähnliche Einschätzungen neigen dazu,  ein alltägliches Phänomen zu werden und eine absolute Selbstberechtigung  zu behaupten. In der Tat weist ihre Absolutheit auf eine Inadäquatheit hin, die nichts mit dem Geist der Hegelschen Philosophie zu tun hat und notwendigerweise zu einem dogmatischen Schematismus führt. Auf einem breiteren Gebiet (re)produziert solche eine Absolutheit meistens einen instrumentalen Logos, der die Zerteilung des Wissens  und folglich das Massenwerden des menschlichen Daseins bejaht. Diese Art vom Logos scheint eigenständiges Prinzip des postmodernen Denkens1 zu sein und leistet wesentlich Vorschub der schmerzhaften Verdinglichung des sozialen Seins des Menschen mit allen positiven und negativen Konsequenzen.
 Entgegen der Dominanz des instrumentalen Logos ist zu überlegen, welche Richtlinien aus der Perspektive des Hegelschen Logos hergestellt werden und interpretationsbedürftig sind, um die Sache selbst zu erhellen? Die Beantwortung dieser Fragestellung weist immer wieder auf die Aktualität der Hegelschen Philosophie hin und zugleich setzt voraus, dass diese Philosophie erst als ein Philosophieren gegründet ist, das den Zeitgeist zum Ausdruck zu bringen  und systematisch künftig die Entwicklung der Philosophie als Totalität in der Zeit zu bestimmen versucht. Aber wie wird konkreter diese Entwicklung verstanden? Der wesentliche Antrieb der Philosophie ist für Hegel der selbstbewusste Logos und in diesem Sinn wird ihr logisches Verfahren von der Mathematik z.B. unterschieden, in der «die Bewegung  des mathematischen Beweises ein der Sache äußerliches Tun ist»2. Der Logos, im Feld des Bewusstseins und des menschlichen Willens, bestimmt die Entwicklung nicht als bloßes Blühen sondern als ununterbrochene Anstrengung, die Entgegensetzung als sich aufzuheben  und damit in ihr sich Selbst oder ihre begriffliche Identität zu erkennen. In der früher Jenaer Zeit stellte Hegel schon fest, die Philosophie gehe aus ihrem Zeitalter hervor, um gegen die Zerrüttung des Zeitalters den Menschen aus sich wiederherzustellen und die Totalität, welche die Zeit zerrissen hat, zu erhalten3. Es geht eigentlich bei Hegel nicht um die Frage: «was ist Philosophie?», aber –über jeder technischen Formulierung von Fragen hinaus- um das philosophische Verständnis des Menschen und seiner Welt oder um sein denkendes Begreifen.
Dazu versucht er  der Philosophie nunmehr eine solche Orientierung zu geben, dass sie die innere als auch die äußere Notwendigkeit der gesamten Wirklichkeit ausdrücken kann. Wie er unternimmt es? Indem er den Standpunkt des Absoluten als theoretische Bedingung annimmt. Das Absolute war in der Sprache des Deutschen Idealismus nicht unbekannt und wurde zum Gegenstand reflexiven Behandlungen gemacht. Hegel kam zu der Einsicht, das Absolute sei die höchst verborgene Möglichkeit  der Philosophie, sich selbst als Philosophie des Begreifens zu erkennen.  Wenn die grundlegende Aufgabe der begreifenden Philosophie, wie der Philosoph sie erfasst, sein soll: Entgegensetzung und Versöhnung   [=Vereinigung], dann ist das Absolute die Handlung der Versöhnung selbst. Während es für die metaphysische Tradition ein hinausliegendes, ursprüngliches Sein darstellt, ist es für Hegel als Prozess aufzufassen. Diese Auffassung des Absoluten führte ihn dazu, den philosophisch-geschichtlichen Dialog unter einen neuen Gedankengang (fort)zusetzen und zu einer bestimmteren Erkenntnis der menschlichen Wirklichkeit zu gelangen. Im Rahmen dieses Dialogs  macht Hegel zum Gegenstand systematischer Behandlung was Kant aber auch Fichte an verschiedenen Stellen ihrer Philosophie zeigten, ohne sich vollständig damit zu beschäftigen: Das Absolute und die Erkenntnis des Absoluten als Relation des Wissens, bzw. als Erkennen, oder absolute Vermittlung. In einer programmatischen Aussage konnte Hegel so etwa formulieren: „Die Philosophie hat als die Wissenschaft der Wahrheit das unendliche Erkennen oder dar Erkennen des Absoluten zum Gegenstand“4. Hegels entscheidender Ansatz ist nun der, die Philosophie über die Positivität jeder einzelnen Wissenschaft hinaus zu erheben, aber auch über jede ideologische Bindung,  die dem vergänglichen Fall einer objektiven Gesamttheorie die Philosophie unterordnet5.
Und jedoch die Philosophie ist Wissenschaft! Wissenschaft in dem Sinn, sie sei das einzig wahrhafte Wissen hinsichtlich jedes positiven Wissens. In bezug auf diese Feststellung sagt Hegel nichts Neues der philosophischen Tradition gegenüber. Was ihn von ihr differenziert, ist es: wie er begreift das wahre Wissen und welche Merkmale ihm zuschreibt.  Zunächst ist es insofern wahr, als das produktive Verfahren von ihm nicht im Horizont der Vorstellung oder des Vorstellens erschöpft wird, sondern des begreifenden Denkens oder des Begriffs. Das  heißt, zweitens, es setzt  „die Befreiung vom Gegensatz des Bewusstseins“6 voraus, nämlich die vernünftige Überprüfung der menschlichen Tätigkeit durch die innere oder binnenlogische  Projektion des Instinkts und der Vernunft: Instinkt und Vernunft stehen nicht in einem absoluten Gegensatz zueinander, sondern formen gemeinsam das menschliche Dasein als das Bewusst-sein, das sich in Interaktion mit dem Unbewussten befindet.
Das Feld vom Bewusst-sein, wo dies gemeinsame Formen wahrgenommen und reflektiert wird, ist das Geistige. Es allein ist das Wirkliche; es muss für sich selbst und für die profane Welt das begreiflich machen, was so nur als ein Faktum erscheint, und  die Weise, auf der es zum sinnlichen Dasein des Menschen überhaupt kommt. Wie  versteht nun Hegel dies Wirklich-Sein des Geistes? Er versteht es als logisches Verfahren oder als die geistige Substanz, die erleidet und denkt, sich nur noch zum Äußerlichen werden lässt und zugleich aus dem Inneren heraus erfüllt, ihr Noema als Notwendigkeit zum erscheinen aufstellt und wieder es nach innen richtet als absolute Relation oder als den wahren Begriff, bzw. als die Idee, die die Sache nicht mehr außerhalb sich selbst setzt, sondern innerhalb ihres vollständigen Begriffs als Einheit des Subjekts und des Objekts. Hier liegt auch die Wahrheit der Philosophie als Wissenschaft oder als System, wo die Denkbestimmungen des Seins als Reflexionsbestimmungen, bzw. Begriffsbestimmungen, entwickelt werden und dessen Begriff zur logischen Erörterung ansteht. Unter dieser Perspektive wird die Wahrheit der Philosophie als philosophisches Denken erkannt, das seinen  Begriff durch sich selbst gewinnt. Auf programmatischer Ebene stellt Hegel diese seine Vorstellung in der Vorrede von der Phänomenologie des Geistes7 dar; auf systematischer Ebene versucht der Philosoph, das Erscheinen jeder menschlichen Wirklichkeit als Selbstdarstellung der Vernunft zu deuten. Dieser Versuch findet ursprünglich in seinen meistens theoretischen Werken -Phänomenologie des Geistes und Wissenschaft der Logik- statt, wo die Vernunft [=der Logos] beginnt, ihre Selbstdarstellung als selbstbestimmende Bewegung des Begriffs zu erkennen. In der Phänomenologie des Geistes wird diese Bewegung  auf der Stufe des Bewusstseins durchgeführt, das seine Erhebung zur Wahrheit8  beanspruchen darf. Das menschliche Denken tendiert, in dieser Phase der phänomenologischen Prüfung seiner selbst, sich als die Vernunft zu verstehen, die sich  in begriffliche Vermittlung des denkbaren und des wahrnehmbaren umwandelt: der menschliche Inhalt des Bewusstseins fängt an, die Form des Gedankens anzunehmen und Tendenzen interner Selbstordnung zu entwickeln, die sich zum absoluten Wissen insofern formieren, als sie sich als philosophischer Anspruch durchsetzen, das Andere und sich selbst durch das Andere zu begreifen. 
Für das menschliche Denken als Selbstbewusstsein macht die gewonnene Form des absoluten Wissens seine hauptmethodologische Voraussetzung aus, um sein Selbstverständnis zu verwirklichen und sich vom menschlichem Denken zum philosophischem Denken zu erheben. Mit dieser logischen Bewegung des sich selbst Begreifens beschäftigt sich die Wissenschaft der Logik: es ist die sich selbst bestimmende Bewegung des Begriffs, die auf dem Standpunkt des Begriffs oder des reinen Denkens durchgeführt und als Dialektik des Denkens und des Begreifens vervollständigt wird. Form und Inhalt, Innerlichkeit und Äußerlichkeit, Entzweiung und Einheit, Subjektivität und Objektivität werden Gegenstand der dia-logischen Tätigkeit vom Logos als Begriff, der spricht und denkt, bzw. als Sprache und logisch überprüfter  Tätigkeit des Denkens. Sehr charakteristisch stellt Hegel so das Logische dar, dass es sich, seiner Form nach, durch den Logos der Sprache vermittelt: logisches und sprachliches Geschehen stimmen, der Form nach, im Horizont der spekulativen Transparenz der Idee überein9. Das philosophische Denken ist somit kein Jenseits, auf das sich der menschliche Verstand richtet ohne nie es zu erreichen, aber das „Hier“ selbst der Dialektik des Denkens und des Begreifens, das  die Dinge bewegt und dessen Entschlüsselung der Verstand nur dann bewerkstelligen kann, wenn er entsprechend der vernünftigen Ordnung denkt und handelt, nämlich nicht „mit bloßen Abstraktionen oder formellen Gedanken, sondern allein mit konkreten Gedanken“10.
Zum Schluss: das Wesen der Hegelschen Philosophie ist kein geschlossenes System von Begriffen, das entsprechende Sachverhalte reflektiert und Strukturen des Existierenden beschreibt oder nacherzählt, sondern Entwurf oder Projektion: Hegel entwirft und schlägt eine begriffliche Erfassung der Sache kraft ihrer logischen Natur vor; dieser Möglichkeit nach unternimmt er den Zusammenhang des Seienden im Begriff zu erfassen. Da  aber seine Philosophie keine erste Wahrheit besitzt, spricht er nicht über eine bestimmte Philosophie, sondern über die Philosophie, wie sie sich innerhalb des philosophisch-geschichtlichen Dialogs herausgebildet hat, und über ihre Aufgabe, „ihre Verflechtung mit dem Sein“11 zu begreifen. Diese Aufgabe ist der  allgemeine Faktor, der die Verschiedenheit der philosophischen Systeme mit der Verpflichtung vermittelt, in die binnenlogische Beschaffenheit der Dinge einzudringen. Aber diese Verpflichtung wird nicht von außen als ein moralisches Gebot gestellt, sondern hängt mit der Bindestruktur des Philosophierens (=Dialektik Denkens und Begreifens) zusammen und wird als die  Anstrengung des Begriffs, sich zu bestimmen und folglich die interne Dynamik des Geistes wiederzubeleben und als eigenständiges Element der spekulativen Philosophie zu behaupten. Diese Philosophie hat zu ihrem allgemeinen Motiv zu zeigen, was die Philosophie als solche zu begreifen und auszudrücken imstande ist, wenn sie als die verständliche und begreifliche Organisation des Ganzen erscheint. Das gewinnt noch mehr an Wert, wenn wir wissen dass unser Zeitgeist auf einer dekonstruktiven Konzeption beharrt und sie für gebotene Grundlage für jede weitere Tätigkeit des Geistes hält. Die spekulative Philosophie plädiert nun für eine Rekonstruktion dieser dekonstruktiven Konzeption und für eine Uminterpretation des Zeitgeistes aufgrund einer logisch selbstbewegenden Wirklichkeit, von der jede praktische Haltung der menschlichen Individualität ausgeht, und aufgrund der Einsicht, dass das Vorhandensein des Negativen keine tobende Dekonstruktion des Denkens vertritt, sondern die vollendete Positivität oder die  spekulative Fähigkeit des vernünftigen Erkennens.  


                                                                










1 Das postmoderne Denken erkennt eine mannigfaltige als auch widersprechende Entfaltung Realitäten ohne die Perspektive einer einheitlichen und auf höherer Ebene erneuten Annäherung  der differenzierenden Sachverhalten. Die Hegelsche Philosophie demgegenüber, als eine herausragende Stimme der Neuzeit, strebt immer wieder nach einem einheitlichen Weltbild.
2 G.W. F. Hegel Phänomenologie des Geistes, s. 38.
3 G.W. F. Hegel Jenaer Schriften,  s. 120-121.
4 Rosenkranz, G.W.F. Hegels Leben, Darmstadt (Nachdr.), s.190.
5 G.W.F. Hegel, Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften, §§14-15.  H.Schnädelbach, Hegel- zur Einführung, Junius,s.14.
6 G.W.F. Hegel, Wissenschaft der Logik, GW 11,s.21.

7 G.W. F. Hegel Phänomenologie des Geistes, s.9, 24.
8 ebd. , s.69.
9 „Die Logik stellt die Selbstbewegung der absoluten Idee nur als das ursprüngliche Wort dar, das eine Äusserung ist, aber eine solche, die als Äusseres unmittelbar  wieder verschwunden ist, indem sie ist; die Idee ist also nur in dieser Selbstbestimmung, sich zu vernehmen“ (G.W.F. Hegel,Wissenschaft der Logik , GW 12, s.237).
10 G.W.F. Hegel, Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften, §82.
11 Chr. Topp, Philosophie als Wissenschaft, Berlin 1982, s.XXV.

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